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Mehr als Laufen – das Magazin zur Leichtathletik-WM 2009 in Berlin

Die Entscheidung

Bernhard Rhon (47) tauscht die Richterrobe gerne gegen den Jogginganzug. Als Verwaltungsrichter entscheidet er täglich über Asylanträge, Fahrerlaubnisse und Baugenehmigungen.

Interview: Sarah Wendel

Richter Bernhard Rhon. Foto: Simon Kremer

Entscheidungsfreudig: Richter Bernhard Rhon. Foto: Simon Kremer

Welche Entscheidungen sind Ihnen denn die liebsten?

Nun, am liebsten ist mir, wenn ich zwischen verschiedenen Reisezielen aussuchen darf.

Und im Gerichtssaal?

Am besten ist, wenn alle Alternativen positiv sind. Im Recht sollte es keinen Sieger und Besiegten geben. Es sollte um die Lösung von Interessenskonflikten gehen. Das ist anders als im Sport. Da siegt der Gewinner immer auf Kosten des Verlierers.

Sehen das die Kläger denn auch so?

Das hängt davon ab, ob man sich Mühe gibt, die Lösung den Parteien nahezubringen und die gesetzliche Regelung zu erklären. Es gibt da so ein schönes juristisches Wort: Man spricht immer von Rechtsfrieden.

Heißt das, Sie glauben an die absolute Gerechtigkeit?

Absolute Gerechtigkeit kann es nicht geben. Die Gerechtigkeit ist das Ziel, das Gesetz ist die Annäherung.

Haben Sie denn schon einmal falsch entschieden?

Ganz am Anfang meiner Zeit, nach der Wiedervereinigung, da war so ein Fall. Da wurden DDR-Sparguthaben umgestellt. Nun gab es eine Frist, die war abgelaufen – und so habe ich den Antrag abgelehnt. Erst später habe ich erfahren, dass die Frist verlängert worden war.

Wird Ihren Entscheidungen dann manchmal in höherer Instanz widersprochen?

Das passiert schon mal. Die Auslegung des Rechts ist immer auch Interpretation. Andere deuten anders. Beim Sport ist das einfacher, da geht es um Tatsachen.

Würden Sie einmal gerne Schiedsrichter spielen?

(lacht) Zutrauen würde ich´s mir schon, aber an das schreiende und johlende Publikum müsste ich mich als Richter erst gewöhnen.

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