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Mehr als Laufen – das Magazin zur Leichtathletik-WM 2009 in Berlin

“Der Wettkampf meines Lebens!”

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Langsam schlurfte Steffi Nerius zum Pult bei der Pressekonfernz des DLV am Tag danach. Ihre marineblauen Augen umrandet von dunklen Schatten, die Hände gefaltet. Ruhig wirkt sie, erschöpft, aber glücklich.

Text: Dorothee Torebko und Désirée Therre

Audios: Jade Tänzler

Gestern hat sie das erste Gold für Deutschland beim Speerwerfen geholt. Es ist ihr erstes WM-Gold und bildet zugleich den Schlusspunkt ihrer Karriere:  “Das war der Wettkampf meines Lebens!”, sagte Steffi Nerius bei der Pressekonferenz.

Die Deutsche legte am gestrigen Wettkampftag einen fulminanten ersten Wurf hin. 67,30 Meter: Das war die Weite, die ihr die Goldmedaille brachte.  “Da konnte ich meine Mitkämpferinnen schocken”, sagt die 37-Jährige.

Trainer Helge Zöllkau, Steffi Nerius, Pressesprecher Peter Schmitt und Jürgen Mallow vom DLV.

Trainer Helge Zöllkau, Steffi Nerius, Pressesprecher Peter Schmitt und Jürgen Mallow vom DLV.

Auch für ihren Trainer Helge Zöllkau überwog die Freude nach dem gestrigen Wettkampftag. Allerdings hatte er in seiner Bilanz nicht nur seine Gold-Athletin im Blick:

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Nach dem Wettkampf stieß Nerius mit Freunden und Familie im WM-Club auf ihren Sieg an. Die Nacht war lang, der Regeneration kurz: Erst um halb sieben kehrte sie von der Party zu ihrem Hotelzimmer zurück. “Heute wird natürlich weiter gefeiert”, verriet die Deutsche.

Christina Obergföll erschien nicht zur Pressekonferenz, sie ließ sich entschuldigen. Sie hatte sich mehr erhofft und wollte sich heute noch nicht der Öffentllichkeit zeigen.  Linda Stahl war mit ihrem sechsten Platz sehr zufrieden. Ihre persönliche Bestleistung liegt bislang zwei Meter hinter der von Steffi Nerius. “Aber ich habe ja noch 13 Jahre, da kann noch viel passieren”, sagt die junge Athletin und grinst verschmitzt.

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Kurz-Interview mit Linda Stahl zum Speerwurf-Finale der Damen:
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“Harting ist ein Problemathlet.”

Momentan liegt das deutsche Team auf Platz fünf der Medaillenwertung. Platz nach oben also, der DLV ist dennoch zufrieden:  “Der DLV wird hier in Berlin nicht als Verlierer vom Platz gehen”, so Peter Schmitt, Pressesprecher des DLV.  Der skandalöse Ausspruch des Dikuswerfers Robert Harting in Bezug auf die Dopingopfer sorgte gestern jedoch für Aufregung. Er hatte sich zu der Kampagne gegen das “Wegschauen” im Spitzensport wie folgt geäußert: „Wenn der Diskus aufkommt, soll er gleich gegen die Brillen springen, die die Dopingopfer hier verteilt haben – damit sie wirklich nichts mehr sehen.“ Der DLV wolle diese Äußerung weder entschuldigen noch relativieren und bezeichnete Harting als “Problemathleten”.

Für Steffi Nerius ist die Karriere als aktive Sportlerin zwar zu Ende, dem Profi-Speerwurf bleibt sie dennoch erhalten. Denn ab dem 1. Oktober wird sie beim DLV als Trainerin für behinderte Sportler arbeiten. Sie freue sich schon auf die Arbeit hinter dem Schreibtisch, vor allem, weil sie sich mit ihrem Trainer ein Büro teilt.

Übrigens: Auf den wartet noch eine Überraschung, wie Steffi Nerius verriet:

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