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Mehr als Laufen – das Magazin zur Leichtathletik-WM 2009 in Berlin

Harting lässt erst mal Gold für sich sprechen

Der Weltmeister hat sich entschuldigt. Auch wenn er lieber feiern wollte. Mit einem Wurf von 69,43 Metern hatte sich Diskuswerfer Robert Harting den Weltmeistertitel gesichert. Am Abend feierte die Hauptstadt dann Deutschlands zweite Goldmedaille.

Von Simon Kremer und Sarah Wendel

Diskus-Weltmeister Robert Harting regiert an Stelle von Klaus Wowereit für eine Nacht Berlin. Foto: Simon Kremer

Die beiden Berliner Regenten: Robert Harting und Klaus Wowereit. Foto: Simon Kremer

Sie ist ihm schwer gefallen, die Entschuldigung. Sein Diskus hat an diesem gestrigen Sporttag niemanden aus dem Publikum getroffen, der sich an der Anti-Doping-Kampagne beteiligte. So weit ließ Robert Harting ihn dann doch nicht fliegen. Aber mit 69,43 Metern und persönlicher Bestleistung holte der Berliner die zweite Goldmedaille für Deutschland bei dieser WM.
Sichtlich erleichtert, aber auch ein wenig reumütig angesichts seiner Äußerungen, erscheint Harting am Abend im WM-Club des DLV und lässt sich für seinen Titelgewinn feiern. Ein wenig farig steht er im Scheinwerferlicht auf der Bühne, lässt sich gratulieren. Berlins Oberbürgermeister Klaus Wowereit und Verteidigungsminister Jung stehen am Rand, warten auf ihren Einsatz. Harting blickt verloren in die Menge, fixiert einen Punkt irgendwo draußen auf der Französischen Straße,  durch sein Gesicht. Wie ein kleiner Junge, der sich für eine eingeworfene Scheibe entschuldigen muss:

Mit seiner Goldmedaille versöhnt Harting sich jedoch mit dem Großteil seiner Kritiker. Berlin liebt ihn und er liebt Berlin. “Ich werde jetzt bis Freitagabend durchfeiern”, sagte er und wieder tönt da leise dieses Ego mit, das selbst für seinen zwei Meter Körper zu groß ist.

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Robert Harting staunt nochmal über seinen Wurf. Foto: Simon Kremer

Der Olympiasieger und fünffache Weltmeister Lars Riedel hat seine persönlichen Hinweise, wie Harting in seine Fußstapfen treten kann:

Dann wird es dunkel im WM-Club. Die Monitore an der Decke flackern auf und zeigen Hartings letzten Versuch, seinen polnischen Kontrahenten noch zu übertrumpfen. Niemand hat in diesem Moment Augen für den Sportler auf der Bühne, auch Harting verfolgt gebannt seinen letzten großen Wurf.

Harting hat die Herausforderung gemeistert. Dann zeigt das Bild Hartings Siegerpose, er zerreißt sich das Hemd. Harting – im WM-Club – lacht, zeigt Zähne, schlägt die Hände vor das Gesicht. Fast philosophisch. Dann steht er wieder im Rampenlicht, neben ihm Berlins Bürgermeister Wowereit:

Für eine Nacht regiert Harting die Hauptstadt. Dennoch muss er sich den gesamten Abend über mit seinen Äußerungen konfrontieren lassen. Immer wieder die selben zwei Fragen: Ob er heute morgen wusste, dass er gewinnen würde. Und vor allem: Wie er seinen Fauxpas rechtfertigt. Alle paar Meter stehen Kamerateams und Journalisten. Mit jedem Schritt durch die Menge wirkt Harting genervter, seine Antwort kürzer. Angestrengt bemüht er sich um Geduld.  Er wolle sich bei der Pressekonferenz am Morgen ausführlich erklären. Die Erklärung bleibt aus. Mehr dürfte auch nicht mehr zu erwarten sein. Wahrscheinlich ist Hartings Goldmedaille seine schönste Entschuldigung.

Audios zum Thema

Robert Harting entschuldigt sich:

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Robert Harting über das Diskuswerfen:

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Oberbürgermeister Klaus Wowereit über Hartings Goldmedaille:

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Diskus-Legende  Lars Riedel gibt Harting einen Tipp:

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1 Comment

  1. von Riedel lernen, heißt….

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