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Mehr als Laufen – das Magazin zur Leichtathletik-WM 2009 in Berlin

Alltags-Experten erklären WM-Begriffe: Höhe

Thore Gregl arbeitet da, wo andere nicht hinkommen: Für Bau- und Wartungsarbeiten aller Art klettert der 29-jährige Berliner auf Hochhausdächer, Windräder und Türme. Wir haben mit dem Industriekletterer über “Höhe” gesprochen.

Interview: David Klaubert

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Industriekletterer Thore Gregl (Foto: David Klaubert)

Was reizt Sie daran, hundert Meter über dem Erdboden zu arbeiten?

Da oben kann man die Weite erleben, hier in Berlin sieht man ab 50 Metern die ganze Stadt. Und es ist irgendwie auch eine Flucht. Ich verschwinde aus dem Normalen und lasse die anderen Menschen unter mir. Wo wir arbeiten, ist sonst niemand. Das ist auch ganz angenehm.

Suchen Sie mit der Höhe auch einen besonderen Kick?

Nein, die Kletterei ist schon Arbeit für mich. Und auch ziemlich sicher, wenn man alles ordentlich macht. Je höher man kommt, desto sorgsamer wird man. Wir sind immer zweifach gesichert, ein Seil, in dem wir hängen, und eines  zur Sicherung. Da fällt man eher von einer drei Meter hohen Leiter.

Worauf kommt es denn noch an, bei der Arbeit in der Höhe?

Den Kollegen im Team sollte man auf jeden Fall vertrauen können, und auch dem Material. Wir arbeiten immer mit unseren eigenen Seilen und Gurten.

Haben Sie manchmal Angst vor der Höhe?

Eigentlich nicht. Beängstigend finde ich eher Enge und Dunkelheit. Daheim habe ich nicht mal Gardinen. Und in Schornsteine oder Hochöfen gehe ich nicht rein, die zu reinigen oder zu inspizieren überlasse ich meinen Kollegen.

Zieht es Sie auch in Ihrer Freizeit nach oben?

Ich fahre gerne in die Schweiz, oben auf den Bergen kann ich mich körperlich austoben und weit weg von den anderen Menschen abschalten. Auch wenn die Gefahren dort weniger kalkulierbar sind. Ungesichert an steilen Schotterrampen, da bekomm ich schon auch mal Muffensausen.

Fotos: Firma 3KER

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