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Mehr als Laufen – das Magazin zur Leichtathletik-WM 2009 in Berlin

Alltagsexperten erklären WM-Begriffe: Publikum

Erich Abshagen (68) kann ohne sein Publikum nicht leben. Schon seit Jahren belebt der Bassist die Musik-Szene der Hauptstadt. “Erics Club Band” spielt jeden Donnerstag im “Spinnrad”, der Berliner Jazz-Kneipe schlechthin.  

Interview: Sarah Wendel
  
 
Erich Abshagen liebt das Publikum. Foto: Sarah Wendel

Erich Abshagen liebt das Publikum. Foto: Sarah Wendel

Wie begegnen Sie ihrem Publikum? 

Ich komme mit meinem Bass, der Besitzer sitzt alleine im Halbdunkeln, liest Zeitung oder langweilt sich: Der Club ist leer. Wir packen aus, und langsam kommen die ersten Gäste. Wir fangen an zu spielen und plötzlich strömen die Leute von überall her, von der Straße, von den Bürgersteigen – und der Club ist voll.

Steigert sich Ihre Leistung, wenn die Kneipe sich füllt?

Das kann ich nicht sagen, ich glaube so etwas geschieht sehr unbewusst. Der eine beeinflusst den anderen, es passiert so etwas wie Magie – vorausgesetzt, Du schaffst es, das Publikum zu fesseln.

Welche Bedeutung hat für Sie Publikum?

Das ist der Grund, weswegen Du Dich überhaupt öffentlich bewegst! Weil Du das Publikum bezirzen willst. In der Wüste zu spielen kann sicherlich meditativ und reizvoll sein, aber das ist etwas anderes. Man muss doch nur einmal genau hinhören. Fast alle Titel, die live aufgenommen worden sind, wirken deshalb eben viel lebendig und spannender als die, die im Studio aufgenommen wurden.

Gibt es denn überhaupt “das” Publikum?

Nein, es ist immer wieder anders. Aber man kann sagen: es gibt ein lebendiges, neugieriges und ein eher gelangweiltes Publikum. Ich habe mal nur für Japaner gespielt, das war ganz spannend: Die waren ganz still. Keine Reaktion, nichts! Du denkst, die sind müde oder schlummern ein wenig, aber sie waren einfach nur höflich und haben am Ende begeistert reagiert.

 Glauben Sie an den sprichwörtlichen Publikumsfunken?

Ja, schon. Es ist immer schön Menschen zu begeistern – das gibt es häufig. Aber der inspirierende Funke besitzt Rarität.

Fanden Sie Ihre Zuhörer schon einmal schrecklich?

Oh ja, das waren Rechtsanwälte, die waren nur mit sich selbst beschäftigt. Sie haben sich so laut, wie möglich miteinander unterhalten, Musik hatte sie nicht interessiert. Es war, als ob man gegen eine Wand spielt. Die haben sich einfach nicht für uns interessiert, aber wir haben trotzdem wunderbar gespielt.

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