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Mehr als Laufen – das Magazin zur Leichtathletik-WM 2009 in Berlin

Das blaue Wunder

Von Dorothee Torebko

In der Antike war es noch ein Schönheitsideal, wenn blaue Adern durch eine milchig weiße Pergamenthaut hindurch schienen. Heute besingt Schlagersänger Heino stattdessen den blauen Enzian und Popmusiker Elton John versinkt in die blue eyes seiner Muse. Yves Kleins blaue Gemälde hingegen lösen beim Betrachter eine seltsame Mischung aus innerer Ausgeglichenheit und Sehnsucht aus. Auch das Olympiastadion hat die Farbe für sich entdeckt und auf Wunsch des Bundesligisten Hertha BSC seine Tartanbahn blau eingefärbt.

Die blaue Bahn: magisch?

Die blaue Bahn: magisch? (Foto: Christian Jakubetz)

Sportler, die auf der Bahn gelaufen sind und Siege gefeiert haben, sprechen von einer beruhigenden, ja, einer mystischen Wirkung der blauen Berliner Bahn. So zum Beispiel die Goldmedaillengewinnerin über die 400-Meter-Strecke Sanya Richards: „Die blaue Bahn ist magisch.“ Ist die blaue Färbung vielleicht mehr als eine kluge Marketing-Strategie des Fußballvereins Hertha BSC? Ist sie gar ein psychologischer Kniff, um die Stimmung und damit die Leistung der Sportler zu beeinflussen?

“Farben haben eine psychologische Wirkung auf uns“, sagt die Berliner Farbexpertin und Gesundheitswissenschaftlerin Susanne Wied. Sie können im Sport beispielsweise dazu eingesetzt werden, das Wohlbefinden der Athleten zu steigern. „Zum Beispiel, indem die Sportler blaue Unterwäsche tragen“, ist sie überzeugt.

Aber, und das sei entscheidend, Farben wirken individuell. “Auf den einen wirkt blau beruhigend, auf den anderen nicht.“ Welche Farbe wem liegt, kann durch Tests festgestellt und je nach Farbpräferenz das Training eines Sportlers forciert werden. Das heißt auch, dass man keiner Farbe eine eindeutige Wirkung und damit Stimmung zuweisen kann.

Was außerdem hinzukommt: Blau ist in unterschiedlichen Kulturen mit jeweils anderen Bedeutungen besetzt. Im Christentum wird blau mit Reinheit und Unschuld assoziiert, denn die Mutter Gottes wird in Abbildungen in blauen Gewändern gezeigt. Im alten Ägypten hingegen war dunkelblau die Farbe des Wassers und damit der lebensspendenden Nilgottheiten. In Taiwan steht blau für Demokratie, in Bayern für Tradition.

Unbestritten ist allerdings – da sind sich die Farbforscher einig -, dass Farben unsere Stimmung beeinflussen können. Wer dies bestreitet, solle ein Büro, das grau in grau gehalten ist, einmal gegen ein Rosarotes eintauschen, so Wied. Oder mit einem blauen Enzian in der Hand zu Elton Johns „blue eyes“ einen Sprint auf der blauen Berliner Bahn wagen.

Blau in Bildern

Es müssen nicht immer Yves Kleins Gemälde sein, auch im Alltag begegnen uns blaue Gegenstände. Egal ob auf der Straße, im Kaufhaus oder im Kleiderschrank. Haben Sie schon einmal die Wirkung der Farbe Blau gespürt?

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