mehralslaufen
Mehr als Laufen – das Magazin zur Leichtathletik-WM 2009 in Berlin

Schleppend durch die Nacht

Es sollte der große Wettkampf werden und eine riesige Party danach: Ariane Friedrich wollte hoch hinaus. Doch bei 2,02 Meter endete ihr Höhenflug – und damit auch die enthusiastische Partystimmung im WM-Club.

Von Sabrina Ehrle, Jade-Yasmin Tänzler und Felix Franke

Posieren für die Kameras: Die Zehnkämpfer Norman Müller, Pascal Behrenbruch, Moritz Cleve mit WM-Maskottchen Berlino, dem Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier und DLV-Präsident Clemens Prokop. (Foto: Ehrle)

Posieren für die Kameras: Die Zehnkämpfer umringt von WM-Maskottchen Berlino, Außenminister Steinmeier und DLV-Präsident Prokop. (Foto: Ehrle)

Es ist kurz nach Mitternacht. Der sechste Wettkampf-Tag endet wie gewohnt im deutschen WM-Club. Jazzmusik tönt aus den Lautsprechern, Sportfans nippen an ihren Cocktails. Alle warten auf eine: Hochspringerin Ariane Friedrich, die wenige Stunden zuvor im Hochsprung eine Medaille geholt hat. Aber etwas ist falsch an diesem Abend – die Farbe der Medaille.

Die Zeit vergeht nur langsam, seichte Gespräche an Stehtischen hallen durch die Partyräume. Hier ein Häppchen, da ein neuer Drink – und immer das Warten auf die Sportlerin. Es geht auf Mitternacht zu.

Kommen die eigentlich noch, fragen sich die ersten. Dann verändert sich plötzlich das Licht, ein Moderator springt auf die kleine Bühne vor der großen Werbewand. „Unsere ersten Athleten sind da!“, ruft er enthusiastisch. Es sind die drei deutschen Zehnkämpfer, allen voran der Sechst platzierte Pascal Behrenbruch. Die Leute klatschen, alle nicken anerkennend. Sie seien zufrieden mit ihrem Wettkampf, sagen die Zehnkämpfer. Ja, alles sei ganz gut gelaufen. Aber jetzt haben sie Durst, und wären wirklich abgekämpft. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Hat gut lachen: Ariane Friedrich feiert ihren Bronze-Titel. (Foto: Ehrle)

Ariane Friedrich freut sich über Bronze. (Foto: Ehrle)

Eine halbe Stunde später blitzen wieder Fotoapparate, Kameras zeigen in eine Richtung. Champions-Musik ertönt, als das Licht gedämpft wird. Ein Spotlight verfolgt den neuen deutschen Hochsprung-Star: Ariane Friedrich.

Get the Flash Player to see the wordTube Media Player.

Ähnlich wie die Anwesenden wirkt die 25-Jährige müde. Doch sie lächelt in die Kameras, schüttelt unzählige Hände, lässt sich umarmen und küssen. Viele Glückwünsche kommen von Herzen, doch Bronze ist eben nicht Gold. Außenminister Frank-Walter Steinmeier fasst alles sportlich zusammen: “Wir haben mitgezittert. Ich habe mich in meiner Reihe umgeschaut. Alle sprangen mit auf, wenn sie absprang. Es hat ein paar Mal geholfen. Beim letzten Sprung leider nicht. Da hätten wir ihr zwei Zentimeter mehr gegönnt.”

Gerne gegönnt hätten sich die Fans eine After-Wettkampf-Party mit Goldrauschen. Doch der Abend hat einen zähen Beigeschmack. Ariane Friedrich verharrt an ihrem Tisch, schreibt Autogramme, lässt sich fotografieren. Aber keine Interviews!

Ein bisschen lebendiger wirkt Meike Kröger, die zweite Hochspringerin im deutschen WM-Team. Ist sie traurig, dass die WM vorbei ist?

Get the Flash Player to see the wordTube Media Player.

Nicht nur die Sportler sind geschlaucht, sondern auch alle anderen Gäste im WM-Club. Es bleibt überschaubar – die ganze Nacht hindurch. Bald verschwindet auch die Politprominenz: Steinmeier geht, Guido Westerwelle verabschiedet sich, und selbst Klaus Wowereit verlässt die Party.

Der Abend endet wie er angefangen hat: schleppend und überschaubar. Der große Saal leert sich, verloren wirken die verlassenen Stehtische mit ihren Teelichtern. Ist es im WM-Club heute Nacht etwa sogar langweilig gewesen?


Kommentieren