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Mehr als Laufen – das Magazin zur Leichtathletik-WM 2009 in Berlin

Von Jägern und Sammlern

Sportlerautogramme zu bekommen ist eine simple Aufgabe: rumstehen, Stift zücken, nett fragen. Denkste. Autogrammjägerin Gaby Damms Leidenschaft ist oft der pure Stress.

Von Aline Lutz und Marc Röhlig

autogrammjagd

Autogrammjagd vor dem Berlin, Berlin: "Mit dolle Stress verbunden" Foto: Marc Röhlig

Vor drei Wochen ist Gaby Damm aus Rathenow zur Schwimm-Weltmeisterschaft nach Rom gereist, davor zur Olympiade nachPeking, jetzt zur Leichtathletik-WM nach Berlin. Von den Städten oder den Wettkämpfen hat sie nicht viel gesehen, dafür aber etwas mitgebracht, unzählige Unterschriften, fein säuberlich abgeheftet und sortiert. Sie widmet ihre Freizeit der Autogrammjagd. Dafür steht sie auch morgens um acht Uhr schon vorm Sportler-Hotel, gerne bis spät in die Nacht, bewaffnet mit Block, Stift und zu beschreibenden Fotos der Athleten.

“Dit is zwar doll mit Stress verbunden, macht aber och viel Spaß”, sagt Damm, während ihr Blick schon weiter schweift. Um die Ecke biegt ein afrikanischer Sportler mit Sonnenbrille – der fehlt noch in ihrer Sammlung, das erkennt sie sofort. Kaum ist sie losgespurtet, haben sich auch schon zehn andere Autogrammjäger an ihre Fersen geheftet. Die Gruppe umzingelt den Athleten. Dem bleibt nichts anderes übrig, als jede der hingestreckten Karten zu unterschreiben, doch er tut dies mit einem Lächeln. Am wichtigsten sei es, ständig aufzupassen. Schließlich käme es auf Sekunden an, wenn einer der Athleten das Hotel verlässt: “Die sind so schnell wieder weg, dat haste nich gesehen.”

Die Sportler live zu sehen, sei das beste an der Autogrammjagd und weil sie schon seit neun Jahren dabei ist, weiß Gaby Damm mittlerweile nicht mehr so genau, wie viele Autogramme sie eigentlich schon gesammelt hat: “Dat sind mittlerweile so viele, da ist schon dat ganze Wohnzimmer belagert.” Eine Schätzung kommt dann doch. Wenigstens 40 Ordner habe sie, dazu vier, fünf Schubladen voll mit Heftchen. Ein Glück, dass sich Damms Lebensgefährte nicht über die zugestellte Wohnung beschwert. Besser noch: Er sammelt selbst seit 35 Jahren Autogramme und hat Damm mit der Sammelsucht angesteckt.

In erster Linie habe sie es auf Medaillengewinner abgesehen, die seien schließlich am wertvollsten. Die Sportler würden meist positiv reagieren, nur gestern war einer dabei, der habe sie einfach abgewimmelt.  Mit einem einzelnen Autogramm begnügt Damm sich nicht. Wer mehr Autogramme sammelt, kann die schließlich auch eintauschen und schneller die eigene Sammlung erweitern. Hier in Berlin lief es bisher gut für sie. Die Amerikaner findet man im McDonald’s gegenüber vom Hotel, afrikanische Athleten sitzen schon mal im Waschsalon rum – “die waschen natürlich nicht im Hotel, ist ja viel zu teuer”.

Früher sei die ganze Geschichte mit der Autogrammjagd leichter gewesen, da konnte man noch einfach in die Hotels marschieren, heute habe man keine Chance auch nur auf einen Kaffee irgendwo reinzukommen. Unter den Autogrammjägern ist Gaby Damm als Frau übrigens allein auf weiter Flur, die Jäger sind klassischerweise Männer. Dafür ist sie es, die dann bei männlichen Athleten bessere Karten hat: Usain Bolt fehlt den meisten Kerlen in der Sammlung – Gaby Damm hat ihn.

Gaby weiß, wie’s geht. Ihre fünf goldenen Regeln für Autogrammjäger:

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