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Mehr als Laufen – das Magazin zur Leichtathletik-WM 2009 in Berlin

Zwei Silbermedaillen im WM-Club

Zwei Silbermedaillengewinnerinnen stehen im Blitzlichtgewitter. Beide waren unerwartet erfolgreich. Beide wurden nicht als Favoriten gehandelt. Doch die zwei Frauen könnten unterschiedlicher nicht sein.

Von Silke Hans & Aline Lutz

“Nicht gleich abhauen, erstmal hierbleiben”, raunt der Manager Nadine Kleinert ins Ohr, als sie den WM-Club betritt und die Kameras blitzen. Kleinert möchte nicht unbedingt hier sein. Das ist ihr deutlich anzumerken. Schüchtern blickt sie in die Runde, streicht sich die blonden Haare aus der Stirn und bewegt sich nicht von der Seite ihres Managers fort.

Brav schüttelt sie Hände. Bürgermeister Klaus Wowereit und viele schwarz gekleidete Leute gratulieren der Kugelstoßerin. Einmal streckt Nadine Kleinert einem Unbeteiligten die Hand hin, der läuft einfach weiter. Sorgsam abgeschirmt vom Manager läuft sie den langen Flur entlang.

Ein Traube von Fotografen im Schlepptau wird Kleinert auf die Bühne gestoßen. “Das sind deine Bilder, Nadine”, begrüßt sie der Moderator. Die Gäste klatschen und Kleinert blickt zur Leinwand, scheint froh zu sein ihren Blick auf ein festes Ziel richten zu können. Noch einmal sieht sie ihren Sieg. Der WM-Song wird gespielt. Kleinert steht in ihrem engen orangen Trikot vor all den Politikern, Schauspielern und Models in Cocktailkleidern. Tränen steigen ihr in die Augen. Sie muss sich weinend vom Publikum abwenden.

Als sie die Bühne verlässt, geht das Blitzlichtgewitter erneut los. Kleinert dreht den Fotografen ihren kräftigen Rücken zu. Der Presserummel ist ihr zu viel. Interviews möchte sie eigentlich gar nicht geben: “Aber ich will doch zu meinem Trainer.” Dann lässt sie sich doch erweichen.

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Wenig später betritt Silbernmedaillengewinnerin Nummer Zwei den Raum. Der Kontrast könnte nicht größer sein. Jennifer Oeser strahlt trotz Schürfwunden an der Seite über das ganze Gesicht als sie die Bühne betritt. ”Stand up for the champions” dröhnt aus den Boxen.

Über ihren Sturz kann die Siebenkämpferin mitlerweile lachen, sie habe eben eine kleine Turneinlage eingelegt. Den Sturz selbst habe sie gar nicht realisiert. Erst durch das Raunen im Publikum habe sie plötzlich erkannt, was da los war. Der schnelle Umschwung der Fans ins absolute Anfeuern habe sie dann aber über die letzte Runde getragen.

Vor lauter Angst nach dem Sturz nicht mehr rechtzeitig ins Ziel zu kommen, habe sie ihren Sprint diesmal doppelt so früh angesetzt wie sonst, erklärt Oeser lachend – mit Erfolg.

Jennifer Oeser über ihre Pläne nach dem Sieg im Interview:

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1 Comment

  1. Der Gegensatz zwischen den Athleten und den Gästen der gestrigen Veranstaltung hätte nicht größer sein können. Letztlich ging das Ereignis WM doch an den Gästen vorbei. Gesehen werden. Für Kameras posieren. Es hatte schon seinen Grund, dass der Großteil der Sportler sich im vorderen Saal, getrennt vom Saal mit der Bühne, aufhielt. Jennifer Oeser ist zwar telegener, wirkte aber ebenso sehr ermattet und überfahren von dem Trubel wie Nadine Kleinert.

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