mehralslaufen
Mehr als Laufen – das Magazin zur Leichtathletik-WM 2009 in Berlin

Der Kohlenhydranator

Viele Tonnen Obst, Gemüse, Fleisch und Fisch verarbeitet Koch André Klode-Purat für seine sportlichen Gäste während der Leichtathletik-WM. André Klode-Purat hat sich gut auf seine Gäste vorbereitet: Der Küchenchef des Hotels “Berlin, Berlin” hat während der WM Rezepte für rund 1.200 Athleten aus 80 Nationen parat, um allen gerecht zu werden. Im Interview spricht er über besondere Ernährungsbedürfnisse, das richtige Sportlerfrühstück und Lebensmittel, bei denen er nicht nein sagen kann.

Interview: Insa Winter

Herr Klode-Purat, während der Leichathletik-WM haben Sie einige Spitzensportler als Gäste. Wie haben Sie sich auf Ihre Gäste samt ihrer besonderen Ernährungsbedürfnisse vorbereitet?

Klode-Purat_neu.

André Klode-Purat, Küchenchef im Berlin, Berlin

Wir haben eng mit Ernährungswissenschaftlern und Beratern zusammen gearbeitet – sogar bis nach Australien sind wir vorgedrungen. Nach sechsmonatiger Vorbereitungszeit haben wir nun einen guten Mix – abgestimmt auf die individuellen Bedürfnisse der Sportler der 80 Nationen, die bei uns im Haus wohnen.

Mit welchen Köstlichkeiten werden Sie die internationalen Sportler verwöhnen? Haben Sie sich in besonderer Weise auf die andere Esskultur und den anderen Geschmack internationaler Gäste vorbereitet?

Wir haben auf das Gleichgewicht zwischen weißem und rotem Fleisch geachtet und nur fettarme Fische eingeplant. Weiter verwenden wir ausschließlich frisches Gemüse und bereiten dies auch ad hoc vor. Unsere sportlichen  Gäste bekommen also von uns viele Vitamine, viel Energie, wenig Ballaststoffe und das Gefühl, dass wir uns alle hier im Haus freuen, dass sie da sind und sie täglich, egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit mit einem freundlichen Lächeln begrüßen oder verabschieden.

Was darf bei einem perfekten Sportlerfrühstück auf gar keinen Fall fehlen?

Bananen, Wasser, gutes Brot, aber auch Weißbrot und Marmelade. Was wir auf keinen Fall anbieten, sind irgendwelche Nussnougatcrémes.

Worauf achten Sie bei der Gestaltung des Mittag- und Abendessens?

Auf Abwechslung, Ausgewogenheit und vor allem Attraktivität. Das heißt, es muss ansprechend ausschauen. Wir haben zum Beispiel die 12 Obstsorten, die wir anbieten, sortenrein in Spankörben angerichtet. Das sieht toll aus und spricht an.

Wie viel Lebensmittel wurden für die Sportler eingekauft?

Geplant habe ich für 14 Tage bereits im Voraus. Insgesamt kommen wir auf vier Tonnen Obst, zwei Tonnen Fleisch, 1,9 Tonnen Fisch sowie 2200 Liter Milch. Das ist logistisch eine große Geschichte.

Gibt es bei Ihnen auch eine Nudelparty vorm Marathon-Lauf?

Bei uns gibt es eine Nudelparty, aber die nicht im Rahmen der Leichtathletik WM sondern zum Berlin Marathon. Das ist schon zu einer echten Institution geworden im Hotel Berlin, Berlin. Doch unser Buffet ist an den Abenden vor den beiden Marathons (22.08. Damen und 23.08. Herren) sowieso mit mehr Kohlenhydraten bestückt als an den anderen Abenden.

Was ist Ihr Snack-Geheimfavorit für eine gesunde Zwischenmahlzeit?

Die gesündeste Zwischenmahlzeit ist die Tomate. Sie ist der perfekte Energielieferant neben der Banane. Die Tomate beinhaltet eine überdurchschnittlich hohe Menge an Mineralien und Vitaminen. Man glaubt nicht, wie wichtig die für unsere tägliche Ernährung ist.

Wären Sie nicht Spitzenkoch geworden, welche Sportart würden Sie heute als Spitzensportler ausüben?

Ich wäre genauso so ein Sportmuffel wie jetzt auch. Squash macht mir aber Spaß. Tischtennis auch.

Ist Kochen nicht auch eine Art Hochleistungssport? Wie viele Stunden werden Sie während der Leichtathletik-WM in der Küche verbringen?

Oh ja, während der WM arbeite ich 16 bis 17 Stunden täglich. Schlafen kann ich auch nach dem 24. August. Ich habe eine tolle Frau an meiner Seite, die mir den Rücken stärkt, damit ich nicht schlapp mache während solcher Hochleistungstage!

Was ist Ihr absolutes Lieblingsgericht, bei dem Sie nicht nein sagen können?

Neben Schokolade (!) jegliche Art von Pasta. Ich bin ein Fan der mediterranen Küche.

Verraten Sie uns noch ein Rezept, das nicht nur den Hochleistungssportler beflügelt, sondern auch beim Hobbysportler wahre Wunder wirkt?

Ich werde am 20. August am Brandenburger Tor in Berlin auf der Kulturstadion-Bühne der WM meinen momentanen Renner präsentieren. Das ist ein Salat aus Wassermelone, Papaya, Pinienkernen und rosa gebratenem Thunfisch. Ich liebe Zitronengras dazu und ganz viel frischen Koriander.

Kommentieren