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Mehr als Laufen – das Magazin zur Leichtathletik-WM 2009 in Berlin

Hier ist am besten gar nichts positiv

Rund 1.500 Dopingproben werden während der Leichtathletik-WM in Berlin von den Teilnehmern genommen. Laut Deutschem Leichtathletik-Verband (DLV) sind das mehr Proben als jemals zuvor bei irgendeiner Sport-Weltmeisterschaft. Damit nichts schief geht und keiner manipuliert, werden die Proben vom Austragungsort Berlin bis zum Ende der Analyse in Köln und Dresden gut beobachtet und verwaltet.

Von Insa Winter

Wer in Berlin eine Medaille gewinnt, kann sich sicher sein, dass er oder sie zum Dopingtest gebeten wird. Manch anderer Sportler wird zufällig ausgelost und muss Blut und Urin zur Verfügung stellen. Damit die Sportler keine Gelegenheit haben zu manipulieren, begleiten so genannte „Chaperones“, also Aufsichtspersonen, die Athleten nach dem Wettkampf bis zur Dopingkontrolle.

Selbst bei der Urinprobe ist einer der 21 Dopingkontrolleure dabei, die während der WM im Einsatz sind. Denn Dopingsünder haben in der Vergangenheit schon oft versucht, ihre Dopingproben zu verfälschen, damit ihnen kein Betrug nachgewiesen werden kann. Ist eine Begleitperson in der Toilettenkabine dabei, kann der Athlet beispielsweise nicht einfach eine saubere Urinprobe aus der Tasche zücken und diese als seine eigene abgeben.

Auf geht’s nach Köln und Dresden

Sind die Urinproben genommen, werden sie vom Sportler unter Aufsicht verpackt und mit zwei Transportern jeden Tag auf die Reise in die Doping-Labore nach Köln und Kreischa bei Dresden geschickt. Nur diese beiden Laboratorien sind in Deutschland von der Welt-Anti-Doping Agentur (WADA) akkreditiert und dürfen die Proben für die Leichtathletik-WM oder vergleichbare sportliche Großevents analysieren. Zwei Beobachter der Nationalen Anti-Doping Agentur (NADA) und ein internationaler Beobachter überwachen die Dopingkontrollen, um sicherzustellen, dass alles korrekt und nach den von der WADA festgelegten Standards verläuft.

Dopingsünder aufgepasst! Die Kontrolleure sind euch auf der Spur. Foto: Siegfried Fries/pixelio.de

Dopingsünder aufgepasst! Die Kontrolleure sind euch auf der Spur. Foto: Siegfried Fries/pixelio.de

Sobald die Proben im Labor in Köln ankommen, werden sie von den Mitarbeitern registriert und erhalten eine laufende Labornummer, sagt Professor Wilhelm Schänzer, Leiter des Doping-Labors Köln. Die Labore dokumentieren ihr Vorgehen ganz genau, damit es beispielsweise nicht zu Verwechslungen zwischen verschiedenen Proben kommt. Denn im Zweifel müssen die Wissenschaftler mit ihren Daten auch vor Gericht bestehen, weiß Schänzer, z. B. wenn ein Sportler behauptet, er habe nicht gedopt.

200 Euro pro Probe

In der Theorie können Transport, falsche Lagerung oder auch Hitze eine Probe beeinflussen. „Dann könnte es unter Umständen bei einigen Substanzen dazu kommen, dass diese abgebaut werden und nicht mehr nachweisbar sind“, erklärt Schänzer. Das kann z. B. bei Eiweißmolekülen passieren, die sehr empfindlich auf Temperatureinflüsse reagieren. „Das kommt sicher selten vor, aber vollkommen ausschließen kann man es nicht. Dass eine Probe durch falschen Transport oder Lagerung positiv wird, ist nicht möglich“, versichert der Doping-Experte.

Im Doping-Labor in Köln werden die Dopingproben laut Schänzer für das erste Screening in einem Bündel von 20 bis 30 Proben analysiert. Um die Proben auf unterschiedliche Substanzen hin zu testen, wurden in Köln verschiedene Arbeitsgruppen gebildet. Eine Gruppe sucht beispielsweise nach Epo, eine andere nach Wachstumshormonen. Im Normalfall kostet so eine Wettkampfprobe etwa 200 Euro. Wenn Spezialverfahren z. B. zum Nachweis von Epo angewendet werden, kostet eine Probe rund 200 Euro mehr. Die Entscheidung, ob alle Proben auf Epo analysiert werden, liegt beim zuständigen Verband, sagt Schänzer.

Nachtschicht im Labor

Nach der Analyse verfassen die Wissenschaftler einen Bericht, „was einen zusätzlichen Zeitaufwand für die Mitarbeiter bedeutet“, sagt Schänzer. Normalerweise nimmt sich das Institut für Biochemie, so der offizielle Titel des Doping-Labors, etwa zwei Wochen Zeit, um eine Dopingprobe zu analysieren. Bei der Leichtathletik-WM oder vergleichbaren sportlichen Großereignissen müssen die Proben aber wesentlich schneller vorliegen. Für Schänzer und seine Kollegen bedeutet dies, das sie die Ergebnisse schon nach 24 bis 48 Stunden liefern müssen – anstatt wie sonst nach zwei Wochen. „Wir müssen hier im Institut rund um die Uhr arbeiten, auch an Feiertagen und Wochenenden.“

Ist eine Probe positiv, „teilen wir das Ergebnis dem Sportverband oder der unabhängigen Anti-Doping-Organisation (ADO) mit, die auch den Auftrag gegeben hat“, erklärt der Wissenschaftler. Die reicht auch das Ergebnis der Analyse an den Sportler weiter und leitet dann ein juristisches Verfahren ein. Bei einer positiven A-Probe kann der Athlet die Analyse der B-Probe beantragen. Ist das Ergebnis der B-Probe auch positiv, gilt der Sportler als positiv getestet.

Keine Sicherheit für Dopingsünder

Das Doping-Labor in Köln lagert auf Wunsch des Verbandes Proben bis zu acht Jahre, sagt Schänzer. Dieses Verfahren ist allerdings recht neu. Bislang hat das Labor auf gelagerte Proben zurückgegriffen, um Analyseverfahren z.B. für Wachstumshormontests oder für die Epo-ähnliche Dopingsubstanz Cera zu testen. So können sich Sportler heute nicht mehr sicher sein, dass sie nicht eventuell nach Jahren noch des Dopings überführt werden.

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