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Mehr als Laufen – das Magazin zur Leichtathletik-WM 2009 in Berlin

“Man müsste Dopingmittel freigeben”

Frank Daumann hat seit 2001 an der Universität Jena einen Lehrstuhl für Sportökonomik inne und beschäftigt sich dort vor allem mit Doping, der Analyse von Sportmärkten und staatlicher Förderung. 2008 veröffentlichte er ein Buch, in dem er die Anreize zum Doping aus ökonomischer Perspektive darstellt und zwei überraschende Vorschläge macht.

Von Niklas Schenck

Würde die Liste verbotener Dopingmittel und -methoden um einen Innovationsbonus erweitert, so hofft Daumann, könnte sich der Wissensvorsprung der Dopingentwickler gegenüber den Kontrolllaboren verkleinern. Wie das gehen soll, erklärt er selbst:

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Sein zweiter Vorschlag ist provokanter: Die Freigabe von Doping. Warum? Das könne die Qualität der Dopingmittel steigern und die Gesundheit der Sportler schütze, sagt Daumann:

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Und was ist dann mit denjenigen, die trotz der Freigabe aller Mittel nicht dopen wollen? Für sie könne es Parallelwettkämpfe geben, sagt er. Eine unschöne Vorstellung, bei der man sich fragt, wo die Vorbildfunktion von Sportlern bleibt, vor allem für Jugendliche. Daumann sieht das nüchtern:

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Das bisherige Kontroll- und Sanktionssystem funktioniere kaum. Könne es auch nicht, sagt der Ökonom aus Jena:

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Die Sportverbände unterlägen dem Dilemma, ihre Haltung nach außen – also die Ablehnung von Doping – nach innen konsequent umzusetzen:

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Außerdem interessant: Wie viel Geld wird eigentlich auf dem Dopingmarkt weltweit umgesetzt?

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daumann_2 Frank Daumann im Einsatz bei der Leichathletik-WM in Berlin (Foto: Schenck)

Natürlich wird Daumanns Darstellung des Dopingproblems nicht eins zu eins Eingang finden in die Praxis der Sportverbände, das weiß er auch. Vielleicht führt sein Beitrag aber dazu, die oft emotional geführte Debatte auf eine sachlichere Ebene zu bringen – denn solange es nicht einmal eine griffige Dopingdefinition gibt, bleiben die Anreize zum Betrug bestehen. Alternativen bleiben gefragt, und Daumann belebt die Diskussion.

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