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Mehr als Laufen – das Magazin zur Leichtathletik-WM 2009 in Berlin

“Wir müssen an die Trainer ran”

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Grenzüberschreitende Prävention: Gerhard Treutlein wirbt bei deutschen und französischen Nachwuchssportlern für sauberen Sport (Foto: Niklas Schenck)

Die Trainer sind der Schlüssel – davon ist Gerhard Treutlein, Leiter des Zentrums für Dopingprävention in Heidelberg, überzeugt. Kurzfristig betrachtet seien Kontrollen und Strafen richtig, „langfristig ist aber Prävention das einzige Mittel gegen Doping”. Hier seien in erster Linie die Trainer gefragt. Sie müssten im Kampf gegen Doping noch stärker mitziehen und entschiedener für sauberen Sport werben.

Von Niklas Schenck

Gerhard Treutlein, emeritierter Professor der Pädagogischen Hochschule Heidelberg, weiß aus eigener Erfahrung, dass Aufklärungsbotschaften aus Expertenmund schnell verhallen. Um die Einstellung junger Sportler zum Doping zu beeinflussen, müsse das komplette Umfeld auf eine saubere Einstellung zum Sport eingeschworen werden. “Vor allem an die Trainer müssen wir ran”, lautet seine Botschaft.

Auch während der Leichathletik-WM war Treutlein im Einsatz. Auf Einladung des brandenburgischen Leichtathletik-Verbandes gestaltete er einen Nachmittag im Programm eines deutsch-französischen Jugendtrainingslagers. Vorträge zu halten, sagt Treutlein, bringe meist wenig. Bei seinen Präventionsmaßnahmen kommen die Jugendlichen zu Wort, sie können diskutieren, ihn und auch sich selbst hinterfragen. Immer wieder unterbricht er die kurzen Filme, die er mitgebracht hat, und die er selbst fast simultan für die zweisprachige Gruppe übersetzt, und fragt die jungen Athleten: „Was hättet ihr in dieser Situation gemacht?“ Leistungsdruck vom Trainer, medizinischer Rat von Freunden – wer sich dem Anti-Doping-Code der Kontrollbehörden verschreibt, muss vielen kleinen Versuchungen standhalten und sich vor allen Dingen selbst informieren.

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Betreuerin der französischen Teilnehmer: "Wer sich auskennt, hat automatisch Zweifel" (Foto: Schenck)

Die Betreuerin der französischen Gruppe, Julie Verson, moniert, dass die jungen Talente Ärzten und Apothekern blind vertrauten. „Dabei sind die gar nicht immer auf dem Laufenden, was die Dopingliste angeht.“ Um Doping wirklich zu verhindern, sei noch viel mehr nötig als Informationstage für junge Sportler. Und Treutlein stimmt ihr zu: “Nur wenn das Umfeld stimmt, tappen die Jugendlichen nicht in die Dopingfalle.” Verson ist skeptisch. Selbst startete sie bisher über 3000 Meter Hindernis, jetzt macht sie. Gern würde sie im Stadion jubeln, das Spektakel genießen, doch das kann sie schon lange nicht mehr. “Wer sich auskennt in diesem Milieu, der hat immer Zweifel”, sagt sie. Trotzdem hofft sie, dass Trainer gerade bei Jugendlichen genug Rückgrat aufbringen, um sie zu mündigen Athleten zu erziehen und nicht mit Doping zu mißbrauchen. “Was mir Hoffnung macht: In dem Alter steht noch kein Geld auf dem Spiel.”

Welche sportlichen Ziele die Jugendlichen zwischen 14 und 16 Jahren verfolgen, was sie von Doping und von Prävention halten, sehen Sie hier:

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