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Mehr als Laufen – das Magazin zur Leichtathletik-WM 2009 in Berlin

Doping von A bis Z

Von A wie Anabolika bis Z wie Zielkontrolle: Unser Doping-ABC erläutert das häufig verwendete, aber selten verstandene Fachvokabular rund ums Doping.


Injection Needle

Grafik: Marc Röhlig Foto credits: sxc.hu

 

Anabolika

Anabole Wirkstoffe fördern substanzaufbauende Prozesse im Körper. Der Aufbau neuer Proteine gehört zu den Hauptgründen, dass Sportler anabole Steroidhormone missbrauchen. Anabolika können unter dem Begriff anaboler androgener Steroidhormone (AAS) zusammengefasst werden und sind seit 1976 verboten. Sie gehören zu den am häufigsten im Doping verwendeten Stoffen. 1984 wurde auch die Anwendung des männlichen, körpereigenen Hormons Testosteron verboten. Testosteron steigert die Bildung von Muskelmasse. Die Wirkung von Anabolika auf weibliche Athletinnen zeigten sich vor allem in Folge des DDR Dopings.

Boosting

Sportler fügen sich absichtlich Schmerzen zu, um durch einen Adrenalinschub mehr zu leisten. Damit zählt Boosting zum Doping. Eigentlich handelt es sich hierbei um eine Krankheit, einen anormalen Reflex des Sympathicus im vegetativen Nervensystem. Dieser krankhafte Reflex kann durch die schmerzhafte Stimulation der unteren Körperhälfte bewusst und unbewusst ausgelöst werden. Sportler binden sich zum Beispiel die Harnblase ab oder verletzen sich auf andere Weise selbst. Anzeichen einer solchen Fehlfunktion sind beispielsweise Kopfschmerzen, Blutdruckanstieg, fleckige Haut, Schweißausbrüche oder Gänsehaut. Die Folgen können tödlich sein oder zu Gehirnblutung und Verwirrtheitszuständen führen.

Cera

Cera ist eine Modifikation des EPO-Moleküls. Es ist doppelt so groß und wirkt länger. 2008 wurden vier Profi-Radfahrer der Tour de France überführt, die mit Cera gedopt hatten. Die Herstellerfirma Hoffmann-La Roche hat den Dopinglaboren einen Test zur Verfügung gestellt, der Cera nachweisen kann.

Codein

Codein ist ein Narkotikum, also ein Schmerzmittel. Bei den Substanzen, die zur Gruppe der Morphine gezählt werden, wird zwischen opiodartigen und nichtopiodartigen Mitteln unterschieden. Zu den erlaubten nichtopiodartigen Medikamenten zählen beispielsweise Aspirin und Voltaren. Im Vergleich zu Morphin hat Codein eine schwache schmerzlindernde Wirkung und wurde von der Liste der verbotenen Substanzen gestrichen. Seit 2004 führt die Welt-Anti-Doping-Agentur noch zehn Schmerzmittel auf der Verbotsliste. Die bekanntesten sind Heroin, Morphin und Methadon.

DDR-Doping

Der Erfolg der DDR-Sportler bei olympischen Spielen ist berühmt – und das trotz ihres relativ kurzen Bestehens. In den Spitzensport investierte die SED-Führung viel Geld, die Sportler wurden früh gefördert, modernste Trainingsanlagen und Ausbildungsmethoden waren Standard. Konnte die SED-Regierung international nicht mit ihrer Wirtschafts- und Sozialpolitik glänzen, erlangte sie mit ihren „Diplomaten in Trainingsanzügen“ weltweite Anerkennung. Spätestens seit den 1990er Jahren ist jedoch bekannt, dass mit Wissen des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) DDR-Sportler reihenweise gedopt wurden. Fast 10.000 Sportler waren gedopt, viele von ihnen aber ohne ihr Wissen und das bereits seit ihrer Kindheit. Mit den Spätfolgen haben viele Sportler noch heute zu kämpfen. Einige Verantwortliche des MfS, der Sportführung und der mit Doping beauftragten Mediziner wurden auf Bewährung verurteilt.

Diuretika

Diuretika sind Substanzen, die die Ausscheidung der Harnmenge erhöhen. Mit dem Harn werden Salze (z.B. Natriumionen) ausgeschieden, die Flüssigkeit im Körper „folgt“ dann den Salzen in die Harnblase und wird ausgeschieden. Wegen der negative Flüssigkeitsbilanz verliert der Körper an Gewicht. Im Prinzip üben Diuretika keine leistungssteigernde Wirkung auf den Sportler aus. Gründe für ihren Missbrauch: Bei Sportarten, wie zum Beispiel Rudern oder Boxen, bei denen das Gewicht eine entscheidende Rolle spielt, werden diese Substanzen eingesetzt, um den Start in einer niedrigeren Gewichtsklasse zu erreichen. Ein weiterer Grund ist die gesteigerte Harnausscheidung, die Dopingsubstanzen im Urin verdünnt, damit sie in Proben nicht mehr nachgewiesen werden können. In der Medizin werden diese Substanzen bei Bluthochdruck oder zur Ausschwemmung von Flüssigkeit aus Ödemen verwendet.

EPO

Erythropoietin (EPO) ist ein Hormon im menschlichen Körper, dass die Bildung roter Blutkörperchen aktiviert und für einen besseren Sauerstofftransport im Blut verantwortlich ist. Rote Blutkörperchen bringen Sauerstoff in die Muskeln. Je mehr dieser Blutkörperchen vorhanden sind, umso mehr Sauerstoff kann transportiert werden. Gerade im Ausdauersport sind die Athleten so zu mehr Leistung fähig. Wird einem Sportler künstliches EPO verabreicht, können diese Effekte imitiert werden. Auch wenn die Steigerung des natürlichen EPO-Spiegels durch gentechnisch hergestelltes EPO zu einer Leistungsverbesserung führt, so birgt sie für den Athleten auch gesundheitliche Gefahren. Es kann z.B. zu erhöhtem Blutdruck und zu einer größeren Gefahr für Thrombosen und Schlaganfälle kommen.

Fuentes

Der Spanier Eufemiano Fuentes Rodríguez wurde international durch einen Dopingskandal vor der Tour de France 2006 bekannt. Fuentes, gelernter Gynäkologe und Sportmediziner, soll vermutlich hunderte professionelle Radsportler – darunter Jan Ullrich, Tyler Hamilton, Jörg Jaschke und Alberto Contador – mit Eigenblut gedopt haben. Auch Fußballer und Tennisspieler sollen auf seiner Kundenliste gestanden haben.

Gendoping

Als Gendoping bezeichnet die NADA die Manipulation von Genmaterial, um die körperliche Leistungsfähigkeit zu steigern. Dabei sind zwei Arten der Manipulation denkbar. Zum einen kann neues Genmaterial in Zellen eingefügt werden, zum Beispiel in Muskelzellen. Zum anderen können Substanzen die Gen-Expression beinflussen, d.h. dass Gene im Körper verstärkt abgelesen oder unterdrückt werden. Beispielsweise kann so das EPO-Gen verstärkt abgelesen werden, sodass das entsprechende Hormon vom Körper produziert wird. Auch wenn Gendoping bislang noch nicht nachgewiesen wurde, hat die WADA das Verfahren vorsorglich verboten.

Höhentraining

Das so genannte Höhenanpassungstraining wird besonders bei Ausdauersportarten eingesetzt, um die Leistungsfähigkeit der Sportler zu steigern. Weil der Körper bei großen Höhen weniger Sauerstoff bekommt, versucht er den Sauerstoffmangel durch die erhöhte Produktion von roten Blutkörperchen anzugleichen. Als Konsequenz wird der Sauerstofftransport und damit die Ausdauerfähigkeit der Sportler verbessert.

In-Competition Testing

Als In-Competition Testing bezeichnet die NADA die Dopingtests während der Wettkampfphase, die sowohl bei nationalen als auch internationalen Wettkämpfen von den Fachverbänden (z.B. vom Deutschen Leichtathletik-Verband) und den Wettkampfveranstaltern vorgenommen werden. Bei großen Veranstaltungen, wie den Olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften, werden normalerweise die Medaillengewinner und zusätzlich ausgeloste Sportler auf verbotene Substanzen getestet. Damit kein Sportler seine Dopingprobe manipulieren kann, stehen die Sportler nach dem Wettkampfende bis zur abgegebenen Dopingprobe unter Beobachtung.

Jugend-Doping

Doping bei Jugendlichen ist immer noch ein Tabu-Thema. Dabei wurden z.B. Kinder in der DDR ohne ihr Wissen systematisch gedopt. Ein prominentes Opfer ist Heidi Krieger. Mit dreizehn Jahren wurden der Kugelstoßerin Anabolika und männliche Hormone verabreicht. Im Jahr 1997 unterzog sich Krieger einer geschlechtsangleichenden Operation und änderte den Vornamen zu „Andreas“. Im Turnen und Eiskunstlauf wurde Jugendliche häufig Mestanolon verabreicht, ein anaboles Steroid, um das Körperwachstum zu hemmen.

Koffein

Alles andere als schwarz: Koffein ist ein weißes kristallines Pulver, das unter anderem in Kaffe, Tee oder Energy-Drinks enthalten ist. Der Apotheker Friedlieb Ferdinand Runge isolierte 1820 auf Johann Wolfgang von Goethes Anregung erstmals Koffein aus Kaffebohnen. Koffein stimuliert das zentrale Nervensystem. Ferner erhöht es die Herztätigkeit und den Pulsschlag. Trotz seiner anregenden Wirkung steht Koffein nicht auf der Verbotsliste der Welt-Dopingagentur.

Labore

Ohne gut ausgerüstete Labore wäre der Kampf gegen Doping undenkbar. In Deutschland gibt es zwei WADA-akkreditierte Labore, die Blut- und Urinproben von Athleten untersuchen: das Institut für Biochemie in Köln und das Institut für Dopinganalytik und Sportbiochemie Dresden in Kreischa. Weltweit gibt es 32 Anti-Doping-Labore.

Meldepflichten

Ein Athlet muss der NADA bekannt geben, wann er sich wo aufhält (die sogenannten Whereabouts). Je hochkarätiger der Sportler, desto mehr Details verlangt die NADA. Top-Sportler müssen jeweils zum Quartalsende Auskunft über ihre Whereabouts für die nächsten drei Monate geben. Allerdings gilt die „Ein-Stunden-Regel“, d.h. die Sportler dürfen gegenüber Doping-Kontrolleuren vorschlagen, an welcher Stunde des Tages sie getestet werden.

Nationale-Anti-Dopingagentur (NADA)

Die Nationale-Anti-Dopingagentur, kurz NADA, koordiniert in Deutschland alle Maßnahmen im Kampf gegen Doping. Sie wurde 2002 in Bonn gegründet und 2007 reorganisiert. Neben Dopingkontrollen befasst sich die NADA auch mit Doping-Prävention, medizinischer und juristischer Beratung sowie internationaler Zusammenarbeit.

Oral Turinabol (OT)

Oral Turinabol war das Dopingmittel, das in der DDR am weitesten verbreitet war. Es wurde in Form von kleinen, blauen Pillen verabreicht. Sein Wirkstoff Dehydrochlormethyltestosteron ist ein künstliches männliches Sexualhormon mit einer anabolen Wirkung. Oral Turinabol führte zu einem schnellen Muskelwachstum und steigerte so vor allem die Leistung von jungen Sportlerinnen. Allerdings führte es auch zur Vermännlichung, zu Akne, Körperbehaarung und Steigerung der Libido. Der Pharmakonzern Jenapharm produzierte dieses Medikament noch bis 1995.

Peptidhormone

Peptidhormone werden vom Körper selbst produziert, können aber auch künstlich im Labor hergestellt werden. Sie gehören zur Gruppe der Eiweißmoleküle und regeln wichtige Wachstumsprozesse im Körper. Die bekanntesten, verbotenen Peptidhormone sind EPO, HGH (Human Growth Hormon) und Cera. 1989 wurden sie erstmals auf die Dopingliste gesetzt.

Quinbolon

Das Dopingmittel Quinbolon gehört zu der Gruppe der Anabolika. Es beruht nicht auf körpereigenen Stereoiden, sondern ist ein synthetisch hergestellter Wirkstoff. Wie alle Anabolika führt es vor allem zu Muskelwachstum.

Repoxygen

Reproxygen ist der Name für eine Art von Gentherapie, die zunächst an Mäusen getestet wurde um Anämie (Blutarmut) behandeln zu können. Sie soll eine kontrollierte Produktion von EPO bewirken. Sportler könnten diese Therapie benutzen, um die Zahl der roten Blutkörperchen zu steigern. Der deutsche Leichtathletik-Trainer Thomas Springstein steht unter Verdacht, Repoxygen zum Gendoping benutzt zu haben.

Simpson, Tom

Er gilt als warnendes Mahnmal für den Missbrauch von Doping: Der britische Radrennfahrer Tom Simpson starb am 13. Juli 1967 bei der Tour de France. Ein tödlicher Mix aus Amphetaminen und Alkohol wurde ihm bei der Fahrt auf den Mont Ventoux zum Verhängnis. Mit Schaum vor Mund fiel er vom Rad, rappelte sich zunächst wieder auf, bis er dann endgültig zusammenbrach. Die vielen Medikamente und der Alkohol führten zur Dehydration und schließlich zum Herzstillstand. Simpson starb noch an der Strecke.

TUE

TUE ist die Abkürzung für “Standard for Therapeutic Use Exemptions”, eine medizinische Ausnahmegenehmigung, die es den Sportlern erlaubt, ansonsten verbotene Wirkstoffe zur Behandlung von Krankheiten einzusetzen. TUE enthält Kriterien für die Zusammensetzung der Ärztegruppen, die Beurteilung und den Anerkennungsprozess der Ausnahmegenehmigung.

Unterstützende Mittel

Unterstützende Mittel ist ein Euphemismus für Dopingmittel, der im DDR-Staatsdoping von Trainern und Funktionären konsequent verwendet wurde. Die dopingrelevante Forschung war in der DDR sogar von oberster Stelle koordiniert, unter dem „Staatsplan 14.25“.

VO2-Max

Steht als Abkürzung für maximales Lungenvolumen. Die Radsportlegende Greg LeMond verwendete diesen Begriff bei der Tour de France 2009, um den späteren Sieger Alberto Contado öffentlich anzugreifen. Kein Sportler habe jemals zuvor einen VO2-Max-Wert von 99 erreicht – ein Wert, der sich aus der von Contador gefahrenen Durchschnittsgeschwindigkeit beim Erklimmen des Mont Ventoux (22 km/h) hochrechnen lasse. Von Doping-Teams wie dem Rennstall „Festina“ sei bekannt, dass die besten Fahrer ihre VO2-Max-Werte mit konsequetem EPO-Doping von 70 auf 90 erhöhten. LeMond provokant: „Ich finde, die Beweislast liegt ab jetzt bei dir.“

WADA

Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) ist die oberste Instanz im Kampf gegen Doping. Sie koordiniert insgesamt 33 akkreditierte Labors weltweit, unter anderem indem sie Testverfahren für alle Forscher zugänglich macht und sich mit Pharmaunternehmen austauscht, um künftig vielleicht schon zur Marktreife von dopingrelevanten Wirkstoffen die entsprechenden Nachweisverfahren entwickeln zu können.

XTC

XTC, auch Ecstasy genannt, ist vermutlich der Wirkstoff, mit dem die spanische Hockeynationalmannschaft beim Olympia-Qualifikationsturnier in Aserbaidschan vergiftet wurde. Das zumindest legt die Entscheidung des Internationalen Sportgerichtshofes (CAS) nahe, der das spanische Team trotz positiver Tests im Finalspiel vom Dopingvorwurf freisprach und damit vor dem Ausschluss von den Olympischen Spielen bewahrte. Am Vorabend der Finalspiele gegen die Gastgeber hatten die Spielerinnen mit Halluzinationen zu kämpfen, die Beine brachen ihnen weg. Ihre Unschuld versuchten sie mittels Haaranalyse zu untermauern. Eine weitere verblüffende Tatsache: Auch Funktionäre, Trainer und Betreuer wurden positiv getestet.

Zielkontrollen

Der neue NADA-Vorsitzende Armin Baumert fordert im Zuge der „intelligenteren Kontrollen“ auch Zielkontrollen – damit sind nicht diejenigen im Ziel bei Wettkämpfen gemeint, sondern vielmehr gezielte Zugriffe. Man solle nicht weiter Geld und Kapazitäten mit flächendeckenden Dopingkontrollen verschwenden, sondern stattdessen gezielt auffällige Sportler in gefährdeten Sportarten kontrollieren. Vor allem aber ging es ihm und den anderen Befürworten darum, selektiv in den besonders attraktiven Zeiträumen zu testen, in denen Doping besonders wahrscheinlich ist.

Silke Hans, Insa Winter, Patricio Farrell, Nicklas Schenck und Desiree Therre stellten das Doping-ABC zusammen, Grafik von Marc Röhlig

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